3.7. Nicht tragende Innenwände aus KS-Bauplatten BP7

Schlanke nicht tragende Innenwände aus KS-Bauplatten mit 70 mm Dicke haben sich seit vielen Jahren im Wohnungsbau, aber auch in Büro- und Wirtschaftsbauten, im Schul- und Krankenhausbau bewährt. Durch ihr günstiges Format und das Nut-Feder-System lassen sie sich äußerst rationell versetzen. Durch die Verarbeitung mit Dünnbettmörtel gelangt während der Herstellungsphase zudem wenig Baufeuchte in den Rohbau. Stoß- und Lagerfugen sind zu vermörteln. KS-Bauplatten sind auch für den nachträglichen Einbau, für Ausbauten und Sanierungen im Baubestand sehr gut geeignet.

Auch für nicht tragende Innenwände kann alternativ das bereits in Abschnitt 2.3 erläuterte Bemessungsverfahren der Technischen Universität Darmstadt [5], [6] angewandt werden, um erforderlichenfalls größere Wandlängen ausnutzen zu können. Jedoch ist bei nicht tragenden Innenwänden eine direkte Berechnung der Wandlänge nicht möglich, da die bezogene Traglast $Y_w$ von der absoluten Wandhöhe h und gleichzeitig über das Seitenverhältnis von der Wandlänge l abhängt, so dass eine iterative Berechnung erforderlich ist.

Nachfolgende Gleichung gibt die maximale Länge der Wand in Abhängigkeit der einwirkenden Horizontallast an.

$l_{max} = \frac{1}{q_{h,d}} \cdot \frac{f_{tk1}}{\mu_t} \cdot \frac{1}{\gamma_M} \cdot \frac{t^2}{h} \cdot Y_w$ (3.2)

$l$ Wandlänge [m]
$q_{h,d}$ Horizontale Holmlast = $q_{h,k} \cdot \gamma_Q$
$f_{tk1}$ Vertikale Biegezugfestigkeit
$f_{tk2}$ Horizontale Biegezugfestigkeit
$\mu_t$ Biegezugverhältnis: $\mu_t = f_{tk1}/f_{tk2}$
$Y_w$ Bezogene Traglast in Abhängigkeit von: Lagerungsbedingungen, $h$, $h/l$, $\mu_t$
$\gamma_M$ Teilsicherheitsbeiwert auf der Widerstandsseite: $\gamma_M = 1{,}0$
$\gamma_Q$ Teilsicherheitsbeiwert auf der Einwirkungsseite: $\gamma_Q = 1{,}0$
$h$ Wandhöhe [m]
$t$ Wanddicke [m]

Damit können 70 mm dicke Wandbauplatten alternativ zur Ermittlung nach den Tafeln 7 und 8 entsprechend nachgewiesen werden. Da die Wandbauplatten nur als nicht absturzsichernde Trennwände eingesetzt werden (Nachweis der Gebrauchstauglichkeit), ist im Schadensfall die Auswirkung gering. Vor diesem Hintergrund ist ein Teilsicherheitsbeiwert von $\gamma_M = 1{,}0$ ausreichend (siehe [20]).

In Tafel 12 sind für den Haupteinsatzbereich (Einbaubereich 1 - siehe Abschnitt 3.1.2) die zulässigen Wandlängen für Kalksandstein-Wandbauplatten KS BP7 mit einer Wanddicke von $t = 70\,\mathrm{mm}$ in Dünnbettmörtel mit Stoßfugenvermörtelung ohne Auflast angegeben. Die Werte gelten für ein Überbindemaß von $l_{ol}/h_u \geq 0{,}2$ und charakteristische Biegezugfestigkeiten von $f_{tk1} = 0{,}34\,\mathrm{N/mm^2}$ und $f_{tk2} = 0{,}49\,\mathrm{N/mm^2}$, die in [20] ermittelt wurden.

Weitere Vorteile von Wänden aus KS-Bauplatten sind:

  • hohe Beständigkeit, unempfindlich gegen Feuchtigkeit
  • Flächengewinn durch geringe Wanddicken
  • glatte ebene Wandflächen mit hoher Maßgenauigkeit
  • hohe Eigenstabilität der Wände bereits bei der Erstellung
  • gute Tragfähigkeit für Konsollasten und für Dübel
  • freie Grundrissgestaltung wegen relativ geringer Wandflächengewichte, die bei üblichen Einsatzgebieten im Wohnungsbau als Zuschlag zur Verkehrslast bei der Deckendimensionierung berücksichtigt werden können
  • hohe Steinrohdichte, bereits bei 7 cm Dicke mit einem Direktschalldämm-Maß $R_w \geq 46\,\mathrm{dB}$ (RDK 2,0 zzgl. 2 · 10 mm Putz) für guten Schallschutz auch innerhalb der Wohnungen
  • sicherer Brandschutz, nichtbrennbar; EI 60 ab 70 mm Dicke

Bei Türüberdeckungen bis etwa 1 m Breite werden die Platten ohne Sturz fortlaufend verlegt und vermörtelt (Bild 9). Während der Bauphase wird empfohlen, die Bauplatten im Öffnungsbereich mit einem horizontal angeordneten Kantholz zu unterstützen. Vom Arbeitsablauf rationeller ist es jedoch, raumhohe Öffnungen mit entsprechend ausgebildeten Türzargen vorzusehen. In diesem Fall kann bei der Ermittlung der Grenzmaße von einer vertikalen Halterung der nicht tragenden Innenwand ausgegangen werden.

Bilder/Tafeln

Tafel 12: Erhöhte Wandlängen nicht tragender Innenwände aus KS-Bauplatten BP7
Bild 9: Türöffnungen