1. Einleitung

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN Sustainable Development Goals, kurz: UN SDGs [1]) und die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens von 2015 [2] stecken global den politischen Rahmen für eine dauerhaft zukunftsfähige Lebens- und Wirtschaftsweise ab.

Als Teil der klimaschutzgesetzlich maßgeblichen Sektoren

  • Gebäude
  • Industrie
  • Energie-/Abfallwirtschaft
  • Verkehr

kommt der Bau- und Immobilienwirtschaft eine Schlüsselrolle im Transformationsprozess zu. Hintergrund ist ihre sozioökonomische Bedeutung sowie insbesondere Ressourcenintensität und der Anteil an der Emittierung von schädlichen Treibhausgasen (Bild 1).

Im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung [4] wird den sogenannten Handlungsfeldern Industrie und Gebäude eine zentrale Position zugeordnet. Für die Baustoffindustrie wird ein Schwerpunkt auf die Bereiche Zement/Kalk (als Bindemittel für viele mineralisch basierte Baustoffe wie z.B. auch den Kalksandstein) und Stahl gesetzt. Denn deren Potenziale bei der Reduzierung von Verbrennungs- und Prozessemissionen durch Energieträgersubstitution, Verfahrensumstellungen und Effizienzsteigerungen scheinen noch nicht ausgeschöpft. Das Handlungsfeld Gebäude wird neben energiewirtschaftlichen Aspekten beispielsweise auch mit einem Maßnahmen- und Förderstrang für effiziente Gebäude unterfüttert. Hiermit sollen vormalige investive Förderprogramme im Immobilienbereich zu einem Förderangebot konsolidiert werden, der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) für Einzelmaßnahmen, die Sanierung bestehender Gebäude und den Neubau.

Innerhalb dieses Maßnahmen- und Förderstrangs für effiziente Gebäude wird nicht nur ein starker Bezug zum Klimaschutz, sondern auch zum ganzheitlich nachhaltigen Bauen gesetzt. Denn die Förderung respektive die Förderkonditionen werden in den Kontext des sogenannten Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) als Anforderungs- und Bewertungsraster für nachhaltiges Bauen gestellt. Das QNG ist dabei vor allem ein Instrument zum Erhalt bestehender Nachhaltigkeitsbewertungs- und -zertifizierungssysteme bei gleichzeitiger Qualitätssicherung in Bezug auf die Gewährleistung von Grund- und Mindestanforderungen und einer inhaltlichen Harmonisierung.

Bereits vor dem Aufkommen der BEG-Förderung waren die Zertifizierungssysteme für Nachhaltiges Bauen markt- und praxisrelevant für bestimmte Bauvorhaben und Projektkonstellationen. Insofern waren sie grundsätzlich branchengängig und etabliert. Durch die BEG-Förderung haben sie einen weiteren deutlichen Schub erhalten, fraglos jedenfalls, was die branchenweite Bekanntheit betrifft.

Aktuell streben die Trägerschaften der Zertifizierungssysteme für Nachhaltiges Bauen eine Weiterentwicklung in Richtung einer Selbst-Harmonisierung mit den QNG-Anforderungen an, um dadurch die Anwendbarkeit in und für Projekte mit Förderambitionen zu erleichtern. Parallel zeichnen sich in der Systemlandschaft auch übergeordnete, generelle Weiterentwicklungen ab, z.B. beim Zertifizierungssystem für Neubauten der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) als nach statistischen Zertifizierungszahlen marktführendem System in Deutschland.

Die Fokusthemen Klimaschutz/Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Kreislauffähigkeit/Ressourceneffizienz zeigen über welche großen Chancen und Potenziale der Baustoff Kalksandstein verfügt, um ganz wesentliche Beiträge zu mehr ganzheitlicher Nachhaltigkeit in den genannten Fokusthemen zu leisten.

DGNB der Version 2023

Das DGNB-System fokussiert die Themen Klimaschutz/Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Kreislauffähigkeit/ Ressourceneffizienz und ergänzt diese auch um Aspekte der Klimaresilienz oder einer digitalisierten Projekt- und Objektdokumentation. Dazu werden einige bisherige Kriterien gestrichen oder deren Inhalte selektiv „umverteilt“ und insbesondere neue Kriterien und Bewertungsinhalte integriert.

Neu ist auch eine deutliche Ausweitung von Mindestanforderungen an die grundlegende Zertifizierbarkeit von Gebäuden und die Aufnahme von (weiteren) Mindestanforderungen an eine Zertifizierung in der höchsten Zertifikatsstufe Platin.

Auch Suffizienzthemen finden verstärkt Einzug ins System, indem u.a. bei der Betrachtung des thermischen Komforts eine Fokussierung auf die Kühlperiode erfolgt und der Aspekt des Schallschutzes nur noch zwischen fremden Nutzungseinheiten eines Gebäudes im Rahmen der raumakustischen Bewertung adressiert wird.

Eine angepasste Kalibrierung der Gewichtung der Querschnittsqualitäten Technik und Prozesse rundet die Weiterentwicklungen in der DGNB ab.

Bilder

Bild 1: Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland gemäß Sektoren des Klimaschutzgesetzes (KSG) [3]