2.1.1. Systemgrundlagen und Kriterienübersicht der Basis-Systeme BNB und DGNB

Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes (BNBSystem) als öffentlicher und das System der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB-System) als privatwirtschaftlicher Strang des damaligen Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen mit gemeinsamem Entwicklungs- und Markteinführungsursprung verfolgen von Anfang an einen ganzheitlichen Ansatz bei der Bewertung (und anschließenden Zertifizierung) der Nachhaltigkeitsqualität von Gebäuden. Dies zeigt sich daran, dass

  • die Definition der Nachhaltigkeit von Gebäuden das allgemein anerkannte Drei-Säulen-Modell aus gleichwertiger Ökologie, Ökonomie und Soziokultur widerspiegelt, vervollständigt um sogenannte Querschnittsqualitäten (Technische- und Prozessqualität) und Qualitäten des Standorts (Bild 2 und 3)
  • die weitere Strukturierung und Konkretisierung über sogenannte Bewertungskriterien je Säule bzw. Qualität erfolgt und
  • jedes Kriterium über Indikatoren inklusive entsprechender Bewertungsmethoden und Benchmarks quantifiziert und operationalisiert wird.

Das Themenfeld (für DGNB) Ökologie adressiert die Bewertungsaspekte ökobilanzieller Umweltwirkungen über den Gebäudelebenszyklus (u.a. CO2-Fußabdruck als Treibhausgaspotenzial in CO2-Äquivalenten), der nachhaltigen Ressourcenverwendung/Ressourceneffizienz (inklusive der Ressource Wasser) und der Materialökologie/Baubiologie (bzgl. Verwendung möglichst gesundheitsverträglicher/ umweltschonender Bauprodukte) sowie ergänzend der Biodiversität (Bild 4).

Das Themenfeld Ökonomie thematisiert einerseits den Aspekt der gebäudebezogenen Kosten über den gesamten Lebenszyklus, andererseits ergänzend auch die Wertstabilität im Sinne einer möglichst hohen Nutzungsflexibilität und Anpassungsfähigkeit eines Gebäudes (Bild 5).

Soziokulturell-funktional steht der Mensch als Gebäudenuzer im Fokus, abgebildet z.B. über eine Bewertung der thermischen, akustischen und visuellen Komfortbedingungen sowie der Raumluftqualität (als wichtige Grundvoraussetzung der Nutzergesundheit) und der barrierefreien Nutzbarkeit eines Gebäudes (Bild 6).

In der ersten Querschnittsqualität der Technik werden vor allem bauliche/technische Voraussetzungen für möglichst reduzierte Umweltwirkungen über den Lebenszyklus (Wärmeschutz) und für eine möglichst hohe Ressourceneffizienz (Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit bzw. zirkuläres Bauen) inklusive Mobilitätsaspekten (Merkmale der Mobilitätsinfrastruktur) thematisiert (Bild 7).

In der zweiten Querschnittsqualität der Prozesse geht es um prozessuale Voraussetzungen in Planung, Bauausführung und Inbetriebnahme für ein möglichst nachhaltiges Ergebnis eines Projekts (Bild 8).

Abschließend werden unter der Standortqualität zum einen nachhaltigkeitsrelevante Merkmale des Standorts in Sachen Attraktivität (z.B. Verkehrsanbindung, Nähe zu nutzungsrelevanten Einrichtungen, etc.) gebündelt und zum anderen Risiken für ein Gebäude inklusive einer Betrachtung von möglichen (konstruktiven/baulichen/technischen) Gegenmaßnahmen und Kompensationen im Sinne einer möglichst hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen Schadensereignissen (Resilienz) [7] (Bild 9) bewertet.

Bilder

Bild 4: Inhaltsüberblick Themenfeld Ökologie im DGNB-System
Bild 5: Inhaltsüberblick Themenfeld Ökonomie im DGNB-System
Bild 6: Inhaltsüberblick Themenfeld Soziokultur und Funktionalität im DGNB-System
Bild 7: Inhaltsüberblick Themenfeld Technik im DGNB-System
Bild 8: Inhaltsüberblick Themenfeld Prozessqualität im DGNB-System
Bild 9: Inhaltsüberblick Themenfeld Standortqualität im DGNB-System