LieferformenDie für KS-Mauerwerk verwendeten Mauermör tel nach DIN EN 998-2/DIN 20000-412 werden als Werkmörtel geliefert. Werkmörtel sind im Mörtelwerk oder außerhalb unter werkmäßigen Bedingungen aus Ausgangsstoffen nach DIN EN 998-2 zusammengesetzte Mörtelmischungen. Durch die werkmäßige Herstellung ist eine hohe Gleichmäßigkeit der Mörtelkennwerte erreichbar und eine gezielte Optimierung für den jeweiligen Anwendungsfall möglich. Heutzutage wird überwiegend Werk-Trockenmörtel verwendet. Grundsätzlich gibt es bei Werkmörteln folgende Lieferformen:
- Werk-Trockenmörtel
Ein fertiges Gemisch aller trockenen Ausgangsstoffe, dem bei der Aufbereitung auf der Baustelle nur noch Wasser zugemischt werden darf, um eine verarbeitbare Konsistenz zu erreichen. Werk-Trockenmörtel wird im Silo, Minitainern, BigBags oder in Säcken auf die Baustelle geliefert. - Werk-Vormörtel
Ein Gemisch aus Gesteinskörnungen und Kalk sowie ggf. weiteren Zusätzen. Auf der Baustelle werden Zement (nach Herstellerangabe) und Wasser zugegeben. - Werk-Frischmörtel
Gebrauchsfertiger Mörtel in verarbeitbarer Konsistenz, der in Fahrmischern auf die Baustelle geliefert, dort in Mörtelkübeln entladen wird und durch Verzögerer i.d.R. 36 Stunden verarbeitbar ist. Eine bauseitige Wasserzugabe ist nicht zulässig! - Mehrkammer-Silomörtel
In einem Silo sind in getrennten Kammern die Mörtelausgangsstoffe enthalten. Sie werden unter Wasserzugabe automatisch dosiert und gemischt, so dass am Mischerauslauf auf der Baustelle verarbeitungsfähiger Mörtel entnommen werden kann. Bei Mehrkammer-Silomörtel darf das Mischungsverhältnis baustellenseitig nicht verändert werden.
MörtelartenIn DIN 20000-412 werden drei Mörtelarten unterschieden:
- Normalmauermörtel (NM)
- Dünnbettmörtel (DM)
- Leichtmörtel (LM)
Normalmauermörtel nach DIN 20000-412 sind Werkmörtel aus Gesteinskörnungen mit in der Regel dichtem Gefüge und einer Trockenrohdichte > 1.300 kg/m³. Die Normalmauermörtel werden nach steigender Druckfestigkeit in die Mörtelklassen M 1, M 2,5, M 5, M 10 und M 20 eingeteilt, wobei die Mörtelklasse M 1 für tragendes Mauerwerk nach DIN EN 1996-1-1/NA nicht verwendet werden darf. Die Klassifizierung der Normalmauermörtel entspricht den früher nach DIN 1053 üblichen Mörtelgruppen NM I, II, IIa, III und IIIa.
Dünnbettmörtel (DM) sind Werk-Trockenmörtel aus Gesteinskörnungen mit in der Regel dichtem Gefüge und einem Größtkorn von 1,0 mm. Sie müssen eine Druckfestigkeit mindestens der Mörtelklasse M 10 und eine Trockenrohdichte von mindestens 1.300 kg/m3 aufweisen.
Leichtmauermörtel sind Werk-Trocken- oder Werk-Frischmörtel mit leichten Gesteinskörnungen (Leichtzuschlägen), ggf. auch mit Anteilen von Gesteinskörnungen mit dichtem Gefüge. Die Trockenrohdichte der Leichtmauermörtel muss kleiner als 1.300 kg/m3 sein und ihre Druckfestigkeit muss den Mörtelklassen M 5 oder M 10 entsprechen. Leichtmauermörtel der Mörtelklasse M 5 werden zudem in Abhängigkeit der Trockenrohdichte (700 bzw. 1.000 kg/m3) und der zugehörigen Wärmeleitfähigkeit in die Gruppen LM 21 und LM 36 eingeteilt. Diese unterscheiden sich auch beim nachzuweisenden Längsund Querdehnungsmodul.
AnforderungenDie Anforderungen an Mauermörtel nach DIN 20000-412 sind in Tafel 1 zusammengestellt. Diese müssen zusammen mit weiteren Anforderungen im Rahmen einer Erstprüfung und der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) kontinuierlich nachgewiesen werden. Dadurch werden – sachgerechte Verarbeitung vorausgesetzt – die angestrebten Mörteleigenschaften im Mauerwerk gewährleistet. Alle Mörtel müssen nichtbrennbar (Klasse A 1) sein und sind hinsichtlich des Chloridgehaltes beschränkt.
Von großer Bedeutung für die Mauerwerksfestigkeit sind insbesondere die Druck- und Haftscherfestigkeit des Mauermörtels. Bei Normal- und Leichtmauermörtel muss zusätzlich auch die Fugendruckfestigkeit nachgewiesen werden. Bei Dünnbettmörtel ist dies nicht erforderlich, da diese wegen der dünnen Fuge für die Mauerwerksdruckfestigkeit von untergeordneter Bedeutung ist. Für den Verbund der Mauersteine und damit für die Zug-, Biegezug- und Schubbeanspruchbarkeit des Mauerwerks ist die Haftscherfestigkeit zwischen Mauermörtel und Mauerstein maßgebend. Diese muss daher bei allen Mörteln in Abhängigkeit der Druckfestigkeit entsprechend nachgewiesen werden (Tafel 1).
VDie Mauerwerksdruckfestigkeit verringert sich zudem mit zunehmender Verformungsfähigkeit der Mauermörtel in der Lagerfuge quer zur vertikalen Belastung des Mauerwerks. Daher wird bei Leichtmauermörteln geringerer Druckfestigkeit eine gewisse „Mindeststeifigkeit“ des Mörtels verlangt, die durch einen ausreichenden Längs- und Querdehnungsmodul nachzuweisen ist.
Dünnbettmörtel haben ein hohes Wasserrückhaltevermögen, damit wegen der geringen Mörtelmenge in der Fuge nicht zu viel Anmachwasser abgesaugt wird. Zur Gewährleistung einer ausreichend langen Verarbeitbarkeitszeit nach dem Anrühren eines Gebindes (Sack) und der notwendigen Korrigierbarkeitszeit sind entsprechende Mindestzeiten für den Dünnbettmörtel nachzuweisen (Tafel 1).
Für Dünnbettmörtel, die besonders für die Verarbeitung von KS-Mauerwerk geeignet sind, hat der Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V. zudem gemeinsam mit der Gütegemeinschaft Naturstein, Kalk und Mörtel e.V. (GG-Cert) ein freiwilliges Gütesicherungssystem entwickelt. Dieses wird bei Dünnbettmörteln angewendet, die höhere Anforderungen erfüllen als nach DIN EN 998-2 und DIN 20000-412 gefordert sind. Erforderliche Produktprüfungen und die Überwachung werden von der GG-Cert durchgeführt, die Zertifizierung erfolgt gemeinsam durch Qualitätsgemeinschaft Mauerwerksprodukte e.V. (QMP) und die GG-Cert. Die Liste der Produkte, die mit dem gemeinsamen Logo gekennzeichnet werden dürfen, ist auf der Internetseite der GG-Cert veröffentlicht.
Leichtmauermörtel (LM) sind Werk-Trocken- oder Werk-Frischmörtel mit leichten Gesteinskörnungen (Leichtzuschlägen) ggf. auch mit Anteilen von Gesteinskörnungen mit dichtem Gefüge. Die Trockenrohdichte der Leichtmauermörtel muss kleiner als 1.300 kg/m3 sein. Sie werden nach der Wärmeleitfähigkeit in die Gruppen LM 21 und LM 36 eingeteilt. Die beiden Gruppen unterscheiden sich zudem nach Trockenrohdichte ($\rho_d \leq 700\ \text{bzw.}\ 1.000\ \mathrm{kg/m^3}$) und Querdehnungsmodul.