Die Formänderung unter langzeitiger Lasteinwirkung wird als Kriechen bezeichnet. Im Allgemeinen wird unter Kriechen die Formänderung (Verkürzung) in Beanspruchungsrichtung verstanden. Die Kriechzahl $φ = ε_{k,t}/ε_{el}$ ist der Verhältniswert von Kriechdehnung $ε_{k,t}$ zu elastischer Dehnung $ε_{el}$. Die Kriechzahl ist im Gebrauchsspannungsbereich näherungsweise konstant. Das Kriechen ist überwiegend irreversibel.
Wesentliche Einflüsse auf den zeitlichen Verlauf des Kriechens sind:
- die Mauerwerksart
- der Anfangsfeuchtegehalt der Mauersteine
- der Mörtelbzw. Steinanteil
- das Belastungsalter
Bei Mauerwerk mit Dünnbettmörtel verursacht die Anlegefuge mit Normalmauermörtel den wesentlichen Kriechanteil.
Die Einflüsse auf den zeitlichen Verlauf des Kriechens können bislang nicht ausreichend quantifiziert werden. Bei näherungsweise konstanten Klimabedingungen und konstanter Belastung ist das Kriechen nach etwa drei Jahren weitgehend beendet. Analog zur Endschwinddehnung sind in Abhängigkeit der Mauersteinart die Rechenwerte in Tafel 1 angegeben.