1. Einleitung

Die thermische Behaglichkeit – primär durch die Raumtemperatur und der Außentemperatur der vorherigen Tage bestimmt – ist der Schlüsselfaktor für ein angenehmes Raumklima und somit ein essentielles Qualitätsmerkmal von Aufenthaltsräumen in Wohn- und Nichtwohngebäuden.

Während die Gewährleistung einer adäquaten thermischen Behaglichkeit im Winter seit Jahren durch Mindestanforderungen an den baulichen und energiesparenden Wärmeschutz reguliert wird, ist der sommerliche Wärmeschutz erst seit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 im Ordnungsrecht verankert. Diese relativ späte Integration hat zur Folge, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit des sommerlichen Wärmeschutzes bei Planern und Bauausführenden noch nicht so ausgeprägt ist wie für den winterlichen Wärmeschutz.

Die Berücksichtigung des sommerlichen Wärmeschutzes von Beginn der Planung an ist jedoch von wachsender Bedeutung, insbesondere angesichts des Klimawandels und der prognostizierten Zunahme sommerlicher Hitzeperioden. Die Sicherstellung einer guten thermischen Behaglichkeit im Sommer ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale zukunftsfähiger Gebäude.

Die Gewichtung der Jahreszeiten hinsichtlich des Energieverbrauchs für die Gebäudetemperierung verlagert sich derzeit vom Winter in den Sommer: Wir können in unseren Gebäuden im Winter eine behagliche Raumtemperatur mit moderatem Energieaufwand sicherstellen, aber wir bekommen zunehmend Schwierigkeiten im Sommer mit zu warmen Innenräumen, bzw. müssen einen zunehmenden Energieaufwand betreiben, um das Raumklima im Sommer in einem behaglichen Bereich zu halten.

Das vorliegende Kapitel beleuchtet zunächst die fundamentalen Zusammenhänge und Einflussparameter und erläutert die relevanten Nachweisverfahren. Anschließend wird die praktische Anwendung dieser Verfahren anhand von Berechnungsbeispielen demonstriert. Dabei wird der Einfluss verschiedener Parameter, wie beispielsweise der Wärmespeicherfähigkeit der Bauteile, anschaulich dargestellt. Diese ganzheitliche Beschreibung soll ein tieferes Verständnis für die Komplexität und Wichtigkeit des sommerlichen Wärmeschutzes vermitteln, und dabei helfen, diesen Aspekt frühzeitig und effektiv in die Planung zu integrieren.