Die erhöhte Nachtlüftung stellt eine effektive Strategie für den sommerlichen Wärmeschutz dar. Bei dieser Methode wird die kühlere Nachtluft genutzt, um die tagsüber aufgeheizten Innenräume abzukühlen und die thermische Masse des Gebäudes zu entladen. Gebäude in Massivbauweise, wie beispielsweise mit Kalksandstein-Wänden, profitieren besonders von dieser Strategie aufgrund ihrer hohen Wärmespeicherkapazität.
Auch wenn sie üblicherweise „nur“ über Fenster umgesetzt wird, muss die erhöhte Nachtlüftung bei der Planung mitgeplant werden. Dies umfasst die Berücksichtigung von Faktoren wie Luftströmungswegen, Sicherheitsaspekten und die eventuelle Automatisierung von Lüftungssystemen. Bei korrekter Anwendung kann die erhöhte Nachtlüftung den Kühlenergiebedarf erheblich reduzieren und somit zu einem energieeffizienten sommerlichen Wärmeschutz beitragen.
Unterschieden wird hier zwischen dem Grundfall „keine erhöhte Nachtlüftung“, d.h. es findet lediglich der übliche Grundluftwechsel ($n$ = $0{,}5\,\mathrm{h^{-1}}$) statt, und zwei Stufen der zusätzlichen Nachtlüftung: erhöhte Nachtlüftung (n bis zu insgesamt $2\,\mathrm{h^{-1}}$) und hohe Nachtlüftung (n bis zu insgesamt $5\,\mathrm{h^{-1}}$). Für Einund Zweifamilienhäuser darf standardmäßig die Möglichkeit zur erhöhten Nachtlüftung angenommen werden, weil davon ausgegangen werden darf, dass nachts die Fenster gekippt bleiben können – es sind ja Personen im Haus, das wirkt einem Einbruchrisiko entgegen, und bei Sturm und Gewitter können die Bewohner die Fenster schließen. Bei Sicherheitsbedenken z.B. im Erdgeschoss oder bei hoher nächtlicher Lärmbelastung sind ggf. Zusatzmaßnahmen erforderlich. Eine hohe Nachtlüftung kann in Betracht gezogen werden, wenn die Möglichkeit einer geschossübergreifenden Lüftung besteht, beispielsweise durch ein angeschlossenes Atrium, ein Treppenhaus oder eine Galerieebene, oder zuverlässig „auf Durchzug“ gelüftet werden kann.
Bei Nichtwohngebäuden sind nachts keine Benutzer anwesend, deshalb braucht es in der Regel nutzerunabhängige, einbruch und regensichere Strategien zur Nachtlüftung, z.B. automatisch betriebene, schmale Lüftungsflügel oder Jalousiefenster.
Wohnungsund Büro-Lüftungsanlagen sind üblicherweise kleiner als $n = 2\,\mathrm{h^{-1}}$ dimensioniert; schaffen sie $n = 2\,\mathrm{h^{-1}}$, darf das entsprechend angesetzt werden.
Die angenommene Nachtlüftungsstrategie ist im Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes zu dokumentieren.