5.5.1. Allgemeines

Der Bemessungswert der aufnehmbaren Normalkraft $N_{Rd}$ wird auf Grundlage eines rechteckigen Spannungsblocks ermittelt, dessen Schwerpunkt mit dem Angriffspunkt der Lastresultierenden übereinstimmt. Die Abminderung der Traglast infolge Knicken und/oder Lastexzentrizitäten erfolgt dabei über den Traglastfaktor $\Phi$:

$N_{Rd} = \Phi \cdot A \cdot f_d$ (5.9)

mit
$f_d$ Bemessungswert der Druckfestigkeit des Mauerwerks nach Abschnitt 2.4.
Bei Wandquerschnitten $\leqslant 0{,}1\,\mathrm{m}^2$ ist die Bemessungsdruckfestigkeit des Mauerwerks $f_d$ mit dem Faktor $0{,}8$ zu verringern. Dies berücksichtigt den Einfluss von Fehlstellen bzw. Steinen geringerer Festigkeit, die für den Nachweis gemauerter Pfeiler (wegen des fehlenden Lastumlagerungspotenzials) eine größere Auswirkung haben als bei der Bemessung von Wandquerschnitten.
$A$ Bruttoquerschnittsfläche eines Wandabschnittes
$\Phi$ Traglastfaktor nach Abschnitt 5.5.2 oder 5.5.3

Bei zentrisch belasteten Wänden und Pfeilern liegt im Regelfall keine planmäßige Exzentrizität infolge von Beanspruchungen um die starke Achse vor, wie dies z.B. bei Windscheiben und/ oder Wänden der Fall ist, die als Auflager von Unterzügen dienen. Die vorhandenen Exzentrizitäten um die schwache Achse, z.B. durch Deckeneinspannungen und Verformungen nach Theorie II. Ordnung, werden – solange man die Anwendungsgrenzen des vereinfachten Berechnungsverfahrens einhält – durch den Traglastfaktor erfasst.

Der Eurocode 6 sieht im vereinfachten Berechnungsverfahren zwei Möglichkeiten vor, den Traglastfaktor zu bestimmen.