10.1. Temperatur-Korrekturfaktoren Fx und Bodenplattenmaß B'

In der täglichen Praxis hat sich, anstelle einer numerischen Analyse, aber das vereinfachte Verfahren mit TemperaturKorrekturfaktoren $F_x$ durchgesetzt, wie es in DIN/TS 18599-2 enthalten ist. Dabei wird der $U$-Wert des erdberührten Bauteils als sogenannter „konstruktiver $U$-Wert“ einfach aus der Schichtenfolge des Bauteils unter Vernachlässigung des Erdreichs bestimmt. Der äußere Wärmeübergangswiderstand ist Null, da direkter Kontakt zum Erdreich besteht. Die Temperaturdifferenz, die das Bauteil bei Außenluftkontakt hätte, wird auf die niedrigere Temperaturdifferenz des erd berührten Bauteils korrigiert, mittels der in DIN/TS 18599-2 [15] tabellierten Temperatur-Korrektur faktoren $F_x$. Die Geometrie des beheizten Kellerbereichs geht dabei über das charakteristische Bodenplattenmaß B' ein, welches grundsätzlich das Verhältnis aus beheizter Keller bodenfläche zum exponierten (d.h. außenluftangrenzenden) Umfang dieser Fläche darstellt (Bild 23).

In der Praxis kommt es oft zu Unklarheiten, was zur Grund fläche zählt und welche Umfangsanteile als „exponiert“ gelten. DIN/TS 18599-2 gibt hierzu folgende Hilfestellung, wobei wahlweise auf das Gesamtgebäude oder den einzelnen Gebäudeteil abgestellt werden kann:

  • Bezug auf das Gesamtgebäude:
    −Freistehende Wohngebäude und einzonig modellierte Nichtwohngebäude: Ag ist die Fläche der Bodenplatte auf Erdreich bzw. Kellerdecke des Gesamtgebäudes, P der exponierte Umfang.
    −Mehrzonig modellierte Gebäude: Ag kann die Fläche der Bodenplatte/Kellerdecke des Gesamtgebäudes sein, P der exponierte Umfang des Gesamtgebäudes. Das ermittelte B' gilt für alle Zonen.
    −Reihenhäuser: Ag kann die Fläche der Bodenplatten/ Kellerdecken der gesamten Reihenhauszeile sein, P der exponierte Umfang der Zeile. Das ermittelte B' kann für Teile der Reihenbebauung verwendet werden.
  • Bezug auf den einzelnen Gebäudeteil:
    −Zonenweise Betrachtung: P berücksichtigt nur den exponierten Umfangsanteil der Zone zur Außenumgebung oder zu unbeheizten Gebäudeteilen. Ag ist die Grundfläche der Zone.
    −Reihenhäuser: P ist der exponierte Umfangsanteil des Reihenhauses zur Außenumgebung oder zu unbeheizten Gebäudeteilen. Ag ist die Grundfläche des Reihenhauses.
  • Unbeheizte Räume außerhalb der Gebäudehülle werden bei Ag nicht berücksichtigt, die Wandlänge zu ihnen ist jedoch in P enthalten.
  • Im Falle einer detaillierten Berechnung nach DIN EN ISO 13370 wird analog vorgegangen.
  • Vereinfachend darf für alle Bauteile des unteren Gebäudeabschlusses $F_x$ = 0,8 (für einen aufgeständerten Fußboden 0,9) angenommen werden, was aber häufig deutlich ungünstiger ist als der tatsächlich zutreffende Tabellenwert für $F_x$.
  • Für den sommerlichen Wärmeeintrag und bei gekühlten Ge bäuden sind die $F_x$-Werte nicht anwendbar. Hier sind der $U$-Wert und das Verfahren nach DIN EN ISO 13370 zu verwenden.

Aufgrund der geringeren Temperaturdifferenz bei erdberührten Bauteilen ist die Wärmedämmung des Untergeschosses weniger ergiebig als bei Außenbauteilen. Als Kompromiss aus Energieeinsparung, Komfort und Kosten werden derzeit Perimeterdämmungen von etwa 12 cm Dicke als sinnvoll angesehen, bei Passivhäusern 20 bis 25 cm. Besondere Beachtung sollte der Reduzierung von Wärmebrücken im Bereich von Deckenauflagern und Fundamenten zukommen. Hilfestellung gibt Beiblatt 2 zu DIN 4108 mit Prinzipskizzen und Planungsund Ausführungsempfehlungen.

Bilder

Bild 23: Bestimmung des charakteristischen Bodenplattenmaßes B’ (Beispiele)