Die Wasserdampfdiffusion wird anhand folgender Kennwerte berechnet:
- Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ: Diese dimensionslose Kennzahl charakterisiert den Widerstand, den ein Baustoff der Diffusion von Wasserdampf relativ zum Diffusionswiderstand ruhender Luft entgegensetzt. μ ist bei definierten Bedingungen eine Stoffkonstante. Richtwerte finden sich in DIN 4108-4 und DIN EN ISO 10456. Sind zwei μ-Werte angegeben, ist der für die Tauperiode ungünstigere Wert zu verwenden, d.h. der Wert, bei dem sich die höhere Tauwassermenge ergibt. Dieser μ-Wert ist dann auch für die Verdunstungsperiode beizubehalten (Bild 18).
- Wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke sd: Sie drückt aus, wie dick eine ruhende Luftschicht sein müsste, um den gleichen Widerstand gegen Wasserdampfdurchgang wie die betrachtete Bauteilschicht aufzuweisen. Der $s_d$-Wert ist das Produkt aus der Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ des Materials und der Dicke d der betrachteten Schicht. Er ist keine Materialeigenschaft, sondern eine Schichteigenschaft.
Wasserdampfdiffusionswiderstandszahlen ausgewählter
Je nach $s_d$-Wert wird die Diffusionshemmung einer Baustoffschicht oder Bauprodukts wie folgt eingestuft:
- Diffusionsoffene Schicht: sd $\leq$ 0,5 m (für Messwerte sd < 0,10 m wird sd = 0,10 m angesetzt, um mögliche Messunsicherheiten bei kleinen sd-Werten aufzufangen)
- Diffusionsbremsende Schicht: 0,5 m < sd $\leq$ 10 m
- Diffusionshemmende Schicht: 10 m < sd $\leq$ 100 m
- Diffusionssperrende Schicht: 100 m < sd < 1.500 m
- Diffusionsdichte Schicht: sd $\geq$ 1.500 m
- Schicht mit variablem $s_d$-Wert: Bauteilschicht, die ihren $s_d$-Wert in Abhängigkeit von der umgebenden relativen Luftfeuchte verändert
Die umgangssprachlichen Bezeichnungen „Dampfbremse“ und „Dampfsperre“ sind nicht normkonform und nicht eindeutig definiert, weshalb sie vermieden werden sollten. Für mehrschichtige Bauteile werden die sd-Werte der einzelnen Schichten addiert, um den $s_d$-Wert des gesamten Bauteils zu erhalten. Die Wasserdampf-Übergangswiderstände an den Bauteiloberflächen sind so gering, dass sie vernachlässigt werden können. Die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke einer Wärmedämmschicht liegt in der Größenordnung einer massiven Holzwand (Bild 19).