Wasserdampfdiffusion ist der Transport gasförmigen Wassers in den Poren und Kapillaren des Baustoffs, angetrieben durch unterschiedliche Wasserdampfteildrücke bzw. unterschiedliche Luftfeuchtekonzentration zu beiden Seiten der Bauteile aufgrund verschiedener klimatischer Bedingungen innen und außen. Die Diffusion erfolgt in der Regel vom beheizten Bereich nach außen. Obwohl die Massenströme gering sind, kann es bei ungünstiger Schichtenfolge, oder wenn auf der Warmseite der Dämmebene diffusionshemmende Schichten fehlen, zu einer unzulässigen Tauwasserbildung im Inneren der Konstruktion über die Winterperiode kommen.
Der Nachweis des ausreichenden Schutzes gegen Tauwasserbildung im Bauteilinneren erfolgt nach dem BlockklimaVerfahren („Glaser“-Verfahren) der DIN 4108-3 mit jeweils 3-monatiger Tauund Verdunstungsperiode unter konstanten Klimaannahmen. Dieses einfache, „auf der sicheren Seite“ liegende Bewertungsverfahren hat sich insbesondere bei Bauteilen und Baustoffen ohne besondere Sorptionsund Kapillareffekte bewährt.
Die europäische Norm DIN EN 13788 bietet ein analoges, monatsweise bilanzierendes Verfahren an. Da hierfür jedoch keine für Deutschland geltenden Klimarandbedingungen festgelegt sind, kann es derzeit nicht für den baurechtlichen Feuchteschutznachweis verwendet werden.
In den letzten Jahren haben sich realitätsnahe, instationäre Simulationsprogramme etabliert, die den gekoppelten Wärmeund Feuchtetransport durch Bauteile unter Berücksichtigung der Kapillarwirkung instationär abbilden. Damit lassen sich auch Konstruktionen wie Innendämmungen mit kapillar aktiven Systemen untersuchen, die mit dem Glaser-Verfahren nicht abgebildet werden können. Solche Konstruktionen sind spezifisch für Standort und Gebäudeausrichtung zu bewerten.