In energetischer Hinsicht werden linienförmige Wärmebrücken durch den linearen Wärmedurchgangskoeffizienten $\psi$ in $\mathrm{W}/(\mathrm{m}\cdot\mathrm{K})$ charakterisiert. Dieser gibt den zusätzlichen Wärmedurchgang pro Stunde, pro Meter Länge der Wärmebrücke und pro Kelvin Lufttemperaturdifferenz an, der über den Wärmedurchgang (ohne Wärmebrücke) durch die benachbarten flächigen Bauteile hinausgeht. Der $\psi$-Wert ist somit das längenbezogene Pendant zum U-Wert der flächigen Bauteile. Für punktförmige Wärmebrücken wird der punktbezogene Wärmedurchgangskoeffizient $\chi$ in $\mathrm{W}/\mathrm{K}$ verwendet.
Zur Bestimmung von $\psi$ wird zunächst mittels einer zweidimensionalen numerischen Berechnung der stationäre Wärmestrom im gesamten Bereich der Wärmebrücke ermittelt und durch die angesetzte Temperaturdifferenz geteilt. Dies ergibt den thermischen Leitwert $L$ in $\mathrm{W}/\mathrm{K}$, der formal dem Transmissionswärmetransferkoeffizienten $H_T$ flächiger Bauteile entspricht. Hiervon werden die Wärmetransferkoeffizienten $U_1 \cdot A_1$ und $U_2 \cdot A_2$ der beiden angrenzenden flächigen „Regelbauteile“ abgezogen, soweit ihre Flächen $A_1$ und $A_2$ im berechneten Modell enthalten sind. Übrig bleibt der anteilige Wärmetransferkoeffizient, der im Bereich der Wärmebrücke zusätzlich zum „ungestörten“ Wärmedurchgang durch die Bauteilflächen auftritt – geteilt durch die Länge der Wärmebrücke erhält man den längenbezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten $\psi$.
Längenbezogene Wärmebrücken treten an allen Anschlussstellen zwischen zwei benachbarten Bauteilen auf. Je nach Bauweise können sie sich deutlich bemerkbar machen, insbesondere wenn keine Maßnahmen zur Verminderung der Wärmebrückenwirkung ergriffen wurden (Bild 9).
Die Bilder 10 und 11 vergleichen die Wärmeströme im Bereich einer einbindenden Decke zwischen einer Kalksandstein-Funktionswand mit Wärmedämmverbundsystem und einer monolithischen Bauweise. Bei der Funktionswand ist eine gleichmäßigere und geringere Wärmestromdichte erkennbar, die sich in einem niedrigen $\psi$-Wert ausdrückt. Tatsächlich ist die Wärmebrückenwirkung bei einbindenden Bauteilen in Außenwänden mit durchgehender Dämmschicht $> 10\,\mathrm{cm}$ ($R \geqslant 2{,}5\,\mathrm{m}^2\mathrm{K}/\mathrm{W}$) so gering, dass sie auch in der Bagatell-Liste in DIN 4108 Beiblatt 2 Abschnitt 5.5 enthalten ist, in der jene Bauteilanschlüsse aufgeführt sind, deren Wärmebrückenwirkung im GEG-Nachweis vernachlässigt werden darf.