Bei der Umsetzung im Rahmen der DIN 4109-2 und im Bauteilkatalog DIN 4109-31 bis DIN 4109-36 spielten die ersten beiden Teile der DIN EN ISO 12354 die wichtigste Rolle.
LuftschalldämmungInsbesondere zum Teil 1 (Luftschalldämmung) wurden für den Massivbaubereich umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, die sich mit der Anwendung des Berechnungsverfahrens und der Erarbeitung von Daten für den Bauteilkatalog in DIN 4109-32 beschäftigen. Grundsätzlich wird beim Schallschutznachweis nach DIN 4109-2 auf das so genannte „Vereinfachte Modell“ der DIN EN 12354-1 zurückgegriffen: Die gesamte Berechnung wird nicht frequenzabhängig (wie im „Detaillierten Modell“), sondern mit Einzahlwerten durchgeführt. Bei den genannten Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass für den Massivbau im vereinfachten Modell eine Prognosegenauigkeit wie im Detaillierten Modell erreicht wird.
TrittschalldämmungAuch bei der Umsetzung von Teil 2 (Trittschalldämmung) wird auf das Vereinfachte Modell zurückgegriffen. Dieses basiert auf dem äquivalenten bewerteten Norm-Trittschallpegel $L_{n,eq,0,w}$ und der bewerteten Trittschallminderung $\Delta L_w$ und berücksichtigt aber zusätzlich für die flankierende Trittschallübertragung einen Korrekturwert K, der in Abhängigkeit von der mittleren flächenbezogenen Masse der flankierenden Bauteile ermittelt wird:
$L'_{n,w} = L_{n,eq,0,w} - \Delta L_w + K$ [dB] (5.1)
In der anstehenden Aktualisierung von DIN 4109-2 wird als Standard-Nachweisverfahren das in DIN EN ISO 12354-2:201711 neu aufgenommene Vereinfachte Verfahren für die Trittschalldämmung eingeführt, das auf Einzahlwerten basiert. Die Grundidee entspricht dem Verfahren für die Luftschalldämmung. Neben der direkten Trittschallübertragung über die Decke kann nun auch explizit die flankierende Trittschallübertragung über angrenzende Bauteile berücksichtigt werden. Dabei kommen wie bei der Luftschallübertragung auch hier die Stoßstellendämm-Maße ins Spiel. Neben trittschallmindernden Deckenauflagen können in diesem Verfahren nun auch Unterdecken an der Trenndecke und Vorsatzschalen an den flankierenden Wänden berücksichtigt werden. Ebenso ist neben der vertikalen Übertragung auch die direkte Berechnung der horizontalen und diagonalen Trittschallübertragung möglich. Damit werden die Möglichkeiten des Trittschallnachweises deutlich erweitert.
Die für das DIN 4109-Konzept benötigten Inhalte der DIN EN ISO 12354 wurden – konform mit europäischen Normungsgepflogenheiten – für die nationale Anwendung aufbereitet und in die einzelnen Teile der DIN 4109 [6, 27–31, 36] eingearbeitet. Die in DIN 4109-2 enthaltenen Rechenverfahren und die im Bauteilkatalog DIN 4109, Teile 31 bis 36, enthaltenen Bauteildaten entsprechen sinngemäß einem „Nationalen Anwendungsdokument (NA)“, wie es von den Eurocodes bekannt ist.
Im Folgenden werden nur noch die in DIN 4109 enthaltenen Angaben behandelt.